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Schwerpunkt "Brauchtum"

Titelbild Kalender März 2019

In diesem Jahr werden wir in den Gemeinde-Medien das Thema "Brauchtum" behandeln.
Gestartet haben wir im Jänner mit dem "Sternsingen".

Weitere interessante Themen folgen - lassen Sie sich überraschen.

Brauchtum "Funken" im März

Generell ist in Vorarlberg die Tradition des Funkenfeuers weit verbreitet. Die großen, aufgeschichteten Holztürme - genannt Funken - werden in der Nacht von Samstag auf den Funkensonntag (der erste Sonntag nach Aschermittwoch) oder auf den darauffolgenden Montag abgebrannt. Dem alten Volksglauben nach sollen die Feuer den Winter
austreiben.

Heutzutage gibt es meistens einen zweiten, kleineren Funken, den Kinderfunken, der bereits am Nachmittag entzündet wird. Darüber hinaus gibt es abends häufig eine Art Showprogramm, beispielsweise (Klang)feuerwerke. Glühwein und Funkaküachle am Festplatz dürfen auch nicht fehlen.

2010 wurde der „Funken“ als „Immaterielles Kulturerbe in Österreich“ in die UNESCO-Liste aufgenommen.

In Wolfurt ist der Brauch seit ungefähr 200 Jahren verbreitet. Es gibt hier die Ächler Funkenzunft und die Rickenbacher Funkenzunft. Der Funken besteht in Wolfurt stets aus Abfallholz wie alten Christbäumen oder Paletten. Auf dem „Scheiterhaufen“ wird jedes Jahr die sogenannte Lumpenhexe verbrannt, die auf der Spitze der Funkentanne hängt. Die Bürgermusik Wolfurt spielt jedoch auf beiden Funken.

Wolfurter Spruch der ehemaligen Funkensammler: „He, he, pfifato, Buschla oder Stroh! So wird da Funka ho!“

Brauchtum "Brotoklau" im Februar

Anlehnend an die alemannischen Fasnatbräuche ist ein besonderer Vorarlberger Faschingsbrauch das Bratenstehlen am sogenannten schmutzigen Donnerstag, dem letzten Donnerstag in der Faschingszeit. In Wolfurt ist dieser Tag als Gumpigo Dunnschtog bekannt. Der Name stammt von „gumpa“, was „auf- und abhüpfen“ bedeutet.

Der Brauch reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, wo es den Narren erlaubt wurde, vor Beginn der Fasnat den Braten aus der Klosterküche zu stehlen. Dies war nämlich die letzte Möglichkeit, um vor der Fastenzeit noch Fleisch zu essen. Danach wurden die geklauten Braten von der Bevölkerung verzehrt.

In Wolfurt ist es seit ungefähr 40 Jahren Tradition, dass die gestohlenen Braten samt Beilagen bei „Inschtrumentomachars Brunno“ (Fa. Hinteregger, Hofsteigstraße) geteilt und verspeist werden. Organisiert wird der Faschingsbrauch am Gumpigo Dunnschtag von den Wolfurter Läbbe mit tatkräftiger Unterstützung der Gasthäuser aus Wolfurt. Auch Schulklassen werden in diesen Brauch eingebunden.

Früher wurde in Wolfurt versucht, den Braten vom heißen Herd oder aus dem Backrohr der Nachbarn und Bekannten zu stehlen. Die Töpfe und Pfannen wurden dann abends – meist mit einer Flasche Wein – an die Eigentümer zurückgegeben.

Faschingsruf aus Wolfurt: Ure Ure Hafoloab!

Brauchtum "Sternsingen" im Jänner

Das Sternsingen rund um den Dreikönigstag geht auf die Erwähnung der Weisen oder Sterndeuter in Mt 2,1 EU zurück. Aus den drei Sterndeutern machte aber erst der Volksglauben Könige. Auch die Namen Caspar, Melchior und Balthasar erhielten sie im 6. Jahrhundert nachträglich. Die drei Könige symbolisieren die in jener Zeit bekannten Erdteile. Als Myrrhe schenkender Afrikaner wird Caspar meist abgebildet. Melchior als Europäer überreicht Gold. Balthasar, der asiatische König, schenkt Weihrauch. Die Könige stehen auch für die drei Lebenszyklen: vom Jüngling über den Mann zum Greis.

Die Ursprünge des Sternsingens liegen vermutlich in den Krippen- oder Dreikönigsspielen. Besonders nach 1560 verbreitete sich das Sternsingen durch Schulchöre von Klosterschulen, die so Geld und Naturalien sammelten. In manchen Gegenden gingen arme Kinder in Eigeninitiative von Haus zu Haus und sammelten für sich und ihre Familien. In Bayern wurde es 1784 verboten, da die gesammelten Spenden dort für Bier in Wirtshäusern verbraucht und das Sternsingen mit größerem Lärm verbunden war. Dennoch blieb der Brauch bestehen.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gibt es in Deutschland, Österreich und Belgien zentral gesteuerte Sternsingeraktionen. Gesammelt wird meist für Entwicklungshilfeprojekte, die weltweit Kindern in Not helfen.   
„C+M+B“ das an die Eingangstüren geschrieben wird, steht nicht nur für Caspar, Melchior und Balthasar, sondern auch für die lateinische Bitte: „Christus mansionem benedicat“ - „Christus segne dieses Haus“.
2015 wurde das „Sternsingen“ in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.