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Schwerpunkt "Brauchtum"

Titelbild Kalender September 2019

In diesem Jahr werden wir verstärkt in den Gemeinde-Medien das Thema "Brauchtum" behandeln.
Gestartet haben wir im Jänner mit dem "Sternsingen". Weitere Bräuche waren: Brotoklau, Funken, Palmbuschen binden, Maibaum, Sonnwendfeuer, Urlaub und Mosten.

Weitere interessante Themen folgen - lassen Sie sich überraschen.

Bräuche und Traditionen fördern die Gemeinschaft und sind ein wichtiger Teil des Kulturguts. Deshalb werden viele Bräuche auch durch die UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Um Bräuche lebendig zu halten, sind vor allem Brauchtumsvereine sehr wichtig. Aber auch jeder einzelne kann sich auf Traditionen und Bräuche zurückbesinnen und somit lebendig halten.

Brauchtum "Mosten" im September

Titelbild Kalender September 2019

Als Most oder Obstwein wird allgemein durch Keltern (Pressen) gewonnener Fruchtsaft bezeichnet. In manchen Gegenden ist es vergorener, gepresster Fruchtsaft. Übliche Früchte dafür sind Äpfel, Birnen oder Trauben.

Der lateinische Wortstamm „mustum“ bedeutet so viel wie „junger Wein“. Bekannt war Most angeblich schon bei den Kelten und Römern, die ihn zur Verdauungstrank verwendeten. In den späteren Jahrhunderten wurde Most sehr geschätzt, da man ihn relativ kostengünstig selber herstellen konnte.

Für jene, die den fruchtigen Geschmack ohne Alkohol bevorzugen, landet der frische Presssaft gleich pasteurisiert in der Flasche. Für die anderen kommt der Presssaft für 6 bis 8 Wochen in Gärfässer und wird – bevor er trinkfertig ist – abgezogen dann filtriert und geklärt.

Auch in Wolfurt ist Most ein bekanntes und beliebtes Getränk. Früher hatte fast jeder Bauer seine eigene Mosterei. Falls man selber keine Presse besaß, konnte man bei einem Nachbarn sicherlich fündig werden. Dabei werden in Wolfurt vor allem saftige Wasserbirnen zum Mosten verwendet.

Brauchtum "Urlaub" im Juli und August

Titelbild Kalender Juli/August 2019

Der Begriff Urlaub stammt sprachgeschichtlich gesehen vom althochdeutschen Wort „urloub“ ab, das „Erlaubnis“ bedeutete, und ungefähr seit dem 8. Jahrhundert gebräuchlich ist. Damit war die Erlaubnis gemeint, die ein Höherstehender dem Ritter erteilen konnte, sich zu entfernen bzw. sich zu verabschieden. Die Ritter baten im Hochmittelalter ihre Lehnsherren um „urloub“, also um „Urlaub.“

Eine weitere Überlieferung ist, dass die Kneche und Mägde zum Altbauern (dem „Ur“) gehen und um Er“laub“nis fragen konnten, wenn die Ernte aus der Land- oder Weinwirtschaft eingebracht war. Gab dieser die Erlaubnis, durften sich die Knechte und Mägde ausruhen und meistens wurde dann auch ein „Trinkgeld“ zur Vergnügung ausbezahlt.

Der Urlaub kam in den ländlicheren Gebieten erst nach dem ersten Weltkrieg auf. Davor gab es bloß für die Städter die sogenannte Sommerfrische. Im Wörterbuch der Brüder Grimm wird die Sommerfrische als „Landlust der Städte im Sommer“ bezeichnet.

Der Urlaub, wie wir ihn heute kennen, ist eigentlich ein Privileg aus aristokratischen Kreisen. Erst die Veränderungen der Neuzeit führten dazu, dass der Begriff Urlaub auch in Dienst- und Arbeitsverhältnissen verwendet wurde. Die Bedeutung wandelte sich dabei etwas: Der Urlaub wurde als „offizielle vorübergehende Freistellung von einem Dienstverhältnis“ bezeichnet. Allgemeiner bedeutet dies „dienst- oder arbeitsfreie Tage, die der Erholung dienen“.

Der ursprüngliche Sinn der Erlaubnis ist jedoch gewissermaßen auch heute noch wahr: Wir nutzen die „Erlaubnis“ des Arbeitgebers, um für eine Weile auszuspannen.

Früher ist man in Wolfurt nach dem Feierabend gerne auf einer Bank vor dem Haus gesessen und hat dort mit den Nachbarn geplaudert. Die Kinder spielten währenddessen beispielsweise „Spatzeckla“ (Hornussen), Fangen oder Völkerball.

Brauchtum "Sonnwendfeuer" im Juni

Titelbild Kalender Juni 2019

Die Sonnenwende findet am 21. Juni statt. Auf dieses Datum fallen die kürzeste Nacht und der längste Tag des Jahres. Das Sonnwendfeuer soll eine Segens- und Heilwirkung haben und darüber hinaus Glück bringen. Auch die Asche soll besonders wertvoll sein, denn streut man sie aufs Feld, wird die Ernte angeblich umso ertragreicher.

Nach dem alten Kalender war die Sommersonnenwende jedoch am 24. Juni, dem Johannistag. Seit der Christianisierung Europas wird daher das Sonnwendfeuer oft mit dem Tag des Hl. Johannes dem Täufer zusammengelegt. Die Sommersonnenwende wird oft als mystischer Tag bezeichnet. Der Brauch des Sonnwendfeuers reicht schon weit zurück und wurde früher vor allem von den Germanen, Normannen, Balten und Kelten zelebriert.

Durch die Feierlichkeit des Sonnwendfeuers sollen durch den Lärm böse und schlechte Geister vertrieben werden und die Ernte ertragreich machen.

In den nördlichen Ländern Europas nennt man das Fest des Sonnwendfeuers Mittsommerfest oder Midsommar.

Vor allem in den Alpen sind Sonnwendfeuer weit verbreitet. Viele wandern zum Schauplatz und erblicken so bei klarer Sicht auch auf den umliegenden Bergspitzen zahlreiche Sonnwendfeuer.

Der Brauch des Sonnwendfeuers ist in Wolfurt noch relativ neu. Erst ungefähr seit 1960 besteht das Brauchtum.

Auch in Vorarlberg generell ist das Sonnwendfeuer noch nicht so verbreitet und erst in den letzten Jahren aufgekommen. Für viele Vorarlberger ist das Sonnwendfeuer jedoch gleichbedeutend mit dem Funkenfeuer. Doch die unterschiedliche Geschichte, die Brauchtümer und kulturellen Unterschiede der beiden Feuer sind dabei nur wenigen bekannt. Das Funkenfeuer beruht nämlich auf einem überaus alten alemannischen Brauch, während das ursprünglich heidnische Sonnenwendfeuer von der katholischen Kirche annektiert und zum Johannisfeuer umfunktioniert wurde. 

Brauchtum "Maibaum" im Mai

Titelbild Kalender Mai 2019

Die Ursprünge des Maibaumbrauchtums sind immer noch umstritten. Häufig werden germanische Riten genannt, wo Waldgottheiten verehrt wurden. Mit der Zeit vermischte sich der heidnische Brauch mit dem christlichen Brauchtum.

Maibäume sind hohe Bäume oder Baumstämme mit grün belassener Spitze und einem Kranz. In ländlicheren Gebieten wird der Maibaum häufig noch per Muskelkraft aufgebaut. In den Städten kommen dagegen normalerweise Maschinen zum Einsatz.

In Österreich wurde der Maibaum erstmals 1230 in Wien erwähnt. 1657 wurde der Brauch sogar verboten. Offiziell zugelassen wurde das Brauchtum erst wieder 1827 durch König Ludwig I.

Der Maibaum ist ein Symbol für das Leben und die Fruchtbarkeit. Deshalb gibt es zahlreiche Traditionen rund um den Maibaum selbst, wie der Tanz um den Baum, Wettspiele oder das Maibaumkraxeln. Auch das Maibaumstehlen ist ein weit verbreitet Brauch in Österreich. Darum bewachen einzelne Gruppen von Männern häufig ihren Maibaum, der sonst von anderen gestohlen, also umgesägt, werden könnte.

In Wolfurt ist der Maibaum ein neuzeitiger Brauch. Erst seit ungefähr 1938 wird auch in Wolfurt bei der Kapelle Rickenbach ein Maibaum aufgestellt und als Anlass für ein kleines Fest genommen. Anders als in manch anderen Bundesländern oder Gemeinden wird in Wolfurt der Maibaum nicht bewacht, da es auch das Maibaumstehlen hier nicht gibt.

Brauchtum "Palmbuschen binden" im April

Titelbild Kalender April 2019

Der Palmsonntag ist der Sonntag vor dem Ostersonntag und leitet die Karwoche ein, welche an den Tod und die Auferstehung Jesu erinnert.

Die Palmzweige sind ein wesentliches Symbol des Palmsonntags, wobei diese auf eine lange Tradition zurückgehen. Denn bereits in früheren Zeiten verehrte man Palmen als heilige Bäume. Heute symbolisieren
geweihte Palmbuschen das Leben und bringen Segen für das Haus.

Ursprünglich bestand ein Palmbuschen aus 7 Naturmaterialien:
Weidenkätzchen, Buchsbaum, Wacholder, Stechpalme, Eibe, Zeder und Sadebaum.

Die Weihe der Palmbuschen findet in der Kirche am Palmsonntag statt. Dieser Brauch besteht ungefähr seit der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts.

In Wolfurt wurden die Palmbuschen traditionellerweise nicht mit Blumen oder sonstigem Schmuck behängt, sondern nur das Holunderkreuz befestigt.

Brauchtum "Funken" im März

Titelbild Kalender März 2019

Generell ist in Vorarlberg die Tradition des Funkenfeuers weit verbreitet. Die großen, aufgeschichteten Holztürme - genannt Funken - werden in der Nacht von Samstag auf den Funkensonntag (der erste Sonntag nach Aschermittwoch) oder auf den darauffolgenden Montag abgebrannt. Dem alten Volksglauben nach sollen die Feuer den Winter austreiben.

Heutzutage gibt es meistens einen zweiten, kleineren Funken, den Kinderfunken, der bereits am Nachmittag entzündet wird. Darüber hinaus gibt es abends häufig eine Art Showprogramm, beispielsweise (Klang)feuerwerke. Glühwein und Funkaküachle am Festplatz dürfen auch nicht fehlen.

2010 wurde der „Funken“ als „Immaterielles Kulturerbe in Österreich“ in die UNESCO-Liste aufgenommen.

In Wolfurt ist der Brauch seit ungefähr 200 Jahren verbreitet. Es gibt hier die Ächler Funkenzunft und die Rickenbacher Funkenzunft. Der Funken besteht in Wolfurt stets aus Abfallholz wie alten Christbäumen oder Paletten. Auf dem „Scheiterhaufen“ wird jedes Jahr die sogenannte Lumpenhexe verbrannt, die auf der Spitze der Funkentanne hängt. Die Bürgermusik Wolfurt spielt jedoch auf beiden Funken.

Wolfurter Spruch der ehemaligen Funkensammler: „He, he, pfifato, Buschla oder Stroh! So wird da Funka ho!“

Brauchtum "Brotoklau" im Februar

Titelbild Kalender Februar 2019

Anlehnend an die alemannischen Fasnatbräuche ist ein besonderer Vorarlberger Faschingsbrauch das Bratenstehlen am sogenannten schmutzigen Donnerstag, dem letzten Donnerstag in der Faschingszeit. In Wolfurt ist dieser Tag als Gumpigo Dunnschtog bekannt. Der Name stammt von „gumpa“, was „auf- und abhüpfen“ bedeutet.

Der Brauch reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, wo es den Narren erlaubt wurde, vor Beginn der Fasnat den Braten aus der Klosterküche zu stehlen. Dies war nämlich die letzte Möglichkeit, um vor der Fastenzeit noch Fleisch zu essen. Danach wurden die geklauten Braten von der Bevölkerung verzehrt.

In Wolfurt ist es seit ungefähr 40 Jahren Tradition, dass die gestohlenen Braten samt Beilagen bei „Inschtrumentomachars Brunno“ (Fa. Hinteregger, Hofsteigstraße) geteilt und verspeist werden. Organisiert wird der Faschingsbrauch am Gumpigo Dunnschtag von den Wolfurter Läbbe mit tatkräftiger Unterstützung der Gasthäuser aus Wolfurt. Auch Schulklassen werden in diesen Brauch eingebunden.

Früher wurde in Wolfurt versucht, den Braten vom heißen Herd oder aus dem Backrohr der Nachbarn und Bekannten zu stehlen. Die Töpfe und Pfannen wurden dann abends – meist mit einer Flasche Wein – an die Eigentümer zurückgegeben.

Faschingsruf aus Wolfurt: Ure Ure Hafoloab!

Brauchtum "Sternsingen" im Jänner

Titelbild Kalender April 2019

Das Sternsingen rund um den Dreikönigstag geht auf die Erwähnung der Weisen oder Sterndeuter in Mt 2,1 EU zurück. Aus den drei Sterndeutern machte aber erst der Volksglauben Könige. Auch die Namen Caspar, Melchior und Balthasar erhielten sie im 6. Jahrhundert nachträglich. Die drei Könige symbolisieren die in jener Zeit bekannten Erdteile. Als Myrrhe schenkender Afrikaner wird Caspar meist abgebildet. Melchior als Europäer überreicht Gold. Balthasar, der asiatische König, schenkt Weihrauch. Die Könige stehen auch für die drei Lebenszyklen: vom Jüngling über den Mann zum Greis.

Die Ursprünge des Sternsingens liegen vermutlich in den Krippen- oder Dreikönigsspielen. Besonders nach 1560 verbreitete sich das Sternsingen durch Schulchöre von Klosterschulen, die so Geld und Naturalien sammelten. In manchen Gegenden gingen arme Kinder in Eigeninitiative von Haus zu Haus und sammelten für sich und ihre Familien. In Bayern wurde es 1784 verboten, da die gesammelten Spenden dort für Bier in Wirtshäusern verbraucht und das Sternsingen mit größerem Lärm verbunden war. Dennoch blieb der Brauch bestehen.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gibt es in Deutschland, Österreich und Belgien zentral gesteuerte Sternsingeraktionen. Gesammelt wird meist für Entwicklungshilfeprojekte, die weltweit Kindern in Not helfen.   
„C+M+B“ das an die Eingangstüren geschrieben wird, steht nicht nur für Caspar, Melchior und Balthasar, sondern auch für die lateinische Bitte: „Christus mansionem benedicat“ - „Christus segne dieses Haus“.
2015 wurde das „Sternsingen“ in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.