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Geschichte(n) aus Wolfurt

Die päpstliche Bestätigung des Klosterbesitzes im „Weißenauer Chartular“

"800 Jahre Wolfurt"
1219 - ein Meilenstein in der Ortsgeschichte?

Im Jahr 2019 feiert unser Gemeinwesen ein Jubiläum. Aber was ist eigentlich der Anlass des "runden Geburtstags"? Ist Wolfurt als Dorf wirklich erst 800 Jahre alt? Was ist 1219 vorgefallen, das für uns Anstoß zu einem Rückblick oder gar einer Feier sein könnte?

Die Antwort auf diese Fragen ist einfach: Das Geschehen, das den Anlass für das 800-Jahr-Jubiläum bildet, fand weit entfernt von Wolfurt statt. Das Kloster Weißenau bei Ravensburg hatte in Rom um eine päpstliche Bestätigung des klösterlichen Liegenschaftsbesitzes gebeten. Diese Urkunde sollte dem Kloster – wie heute ein Grundbucheintrag – als Beweismittel dienen, und es so vor ungerechtfertigter Wegnahme seiner Güter durch weltliche Machthaber schützen. Am 31. März 1219 unterfertigte Papst Honorius III. das in Latein verfasste Dokument, das eine umfangreiche Auflistung von Gütern enthält. Unter diesen findet sich auch ein "predium in Wolfurt" – ein Gut in Wolfurt, das dem Kloster in den Jahrzehnten zuvor von einem unbekannten Spender überlassen worden war.

Das Original der päpstlichen Urkunde blieb nicht erhalten. Im 13. Jahrhundert hatten die Mönche jedoch alle für das Kloster wichtigen Urkunden "kopiert" und zu einem Buch gebunden. Diese wertvolle mittelalterliche Handschrift, das so genannte "Weißenauer Chartular",  gelangte nach der Zwangsauflösung des Klosters im Jahr 1803 nach St. Gallen und befindet sich heute in der Vadianischen Sammlung der Kantonsbibliothek.

Die 800 Jahre beziehen sich also auf die älteste erhaltene Nennung von Wolfurt als Ortsbezeichnung. Die dörflichen Siedlungskerne von Wolfurt und Rickenbach sind wesentlich älter. Hier befanden sich schon vor dem Jahr 1000 zwei von den Untertanen der Bregenzer Grafen bewirtschaftete Höfe, der Kellhof und der Hof zur Steig.

Richard Eberle, Gemeindearchivar