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Geschichte des Schlosses

Schloss Wolfurt Geschichte

Allgemeine Informationen über das Schloss Wolfurt

Fläche gesamt: 39.122 m²
Wohn-/Nutzfläche gesamt: 963 m²

Aufgrund von zwei Bränden hat sich von der ursprünglichen Bausubstanz aus dem Mittelalter nur sehr wenig erhalten. Nach dem ersten Brand (1706) wurde der Palas (das Hauptgebäude) fast komplett neu aufgebaut.

Zu den ältesten Teilen der Burganlage gehören das Keller- und Erdgeschoss des Turms. Diese können in das erste Viertel des 13. Jahrhunderts zurückdatiert werden.

Sollte die Datierung stimmen, wäre diese Ministeriale die viertälteste Burg in ganz Vorarlberg.

Der Turm ist ca. 23 Meter hoch. Der Kirchturm von Wolfurt ist zum Vergleich rund 57 Meter hoch.

Geschichte des Schlosses

Die erste Erwähnung des Schloss Wolfurt erfolgte Ende der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts (ca. 1217). Das Schloss war der Stammsitz des alten und mächtigen Dienstmannen- und Rittergeschlechts derer "von Wolfurt". Zwei Jahrhunderte lang erwarb das Geschlecht großes Ansehen, bevor es zu Beginn des 15. Jahrhunderts zerfiel und mit dem Verkauf von Gütern begann.

1402 ging die Hälfte des Schlosses an das Kloster Au (Mehrerau), fiel aber als Lehen zurück. Nach Paul von Wolfurt (1440) starb das Geschlecht aus, neuer Besitzer wurde Hans von Gästras. 1451 wurde die Burg erneut ein Lehen vom neuen Erzherzogtum Österreich. Lehensherr war Landammann des Gerichtes Hofsteig Heinrich Kaysermann. Danach ging das Lehen an Hans Leber. Die Enkel Leber wurden von Kaiser Maximilian I. 1515 in den Adelsstand erhoben. Im Endeffekt durften alle Mitglieder der Familie Leber den Namen "von Wolfurt" tragen. Nach 150 Jahren Schlossbesitz starb die Familie 1653 aus. 

Der nächste Lehensherr war Johann Wilhelm Marius. Die Lehensfamilie darauf war Reichart von Wolfurt und Wellenstein bis 1730. Danach wurde das Lehen an Familie Tröndlein-Greifenegg aus dem Schwarzwald verkauft. 1772 erwarb der Bauersmann Johann Stadelmann aus Wolfurt um 3.600 Gulden (ca. 48.000 €) das Schloss mit allen zugehörigen Gütern. Anfang 1800 ging das Schloss an Xaver Köb. 1856 wurde Schloss Wolfurt an die Familie Huter aus Bregenz verkauft.

Das Gebäude war in sehr schlechtem Zustand, da es den einen Lehensherren vorrangig wichtig war, ein wohlklingendes Adelsprädikat zu erhalten und die anderen vor allem an der landwirtschaftlichen Nutzung interessiert waren. Die Familie Huter unternahm große Anstrengungen, um das Schloss wieder bewohnbar zu machen.

1937 kaufte Dr. Fritz Schindler, einer der markantesten Industriellen Vorarlbergs, das Schloss Wolfurt. Sein Urgroßvater Samuel Wilhelm Schindler gründete 1836 die damals größte Textilfabrik Vorarlbergs. Sein Vater Friedrich Wilhelm Schindler gründete die Elektra Bregenz und erfand die erste vollelektronische Küche. 1908 baute er in Andelsbuch das größte Wasserwerk in Österreich-Ungarn. Diese waren der Beginn der heutigen VKW. 

Im Dezember 1939 brannte das Schloss bis auf die Mauern ab. Dies war bereits der zweite Brand des Schlosses. Der bekannte Architekt Johann Anton von Tscharner wurde während der Kriegszeit mit dem Wiederaufbau beauftragt. Seit 2017 gehört das Schloss Wolfurt der Marktgemeinde. Heute ist das Schloss von außen ein gewaltiger klassischer Bau und wirkt innen mit dem Stil der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 

Die Geschichte des Schlosses finden Sie kurz zusammengefasst hier im Rahmen einer Zeittafel.

Zeittafel

1180 Vermutlich ließ Kaiser Barbarossa die Burg erbauen.
1217 Erste urkundliche Erwähnung als Stammsitz der "Herren von Wolfurt".
1353 Die Burg wurde urkundlich erwähnt mit Belehnung durch Kaiser Karl IV. an Hugo Konrad und Egli von Wolfurt.
1371 Die halbe Burg gehörte dem Wölfli von Wolfurt und wurde wegen einer Fehde mit der Stadt Lindau von dieser eingenommen.
1402 Erwerb durch das Kloster Mehrerau als Stammsitz der Äbte.
1451 Das Schloss wurde an Österreich übergeben, als Lehen mit wechselnder Vergabe.
1706 Erster Brand des Schlosses
1707 Durch Benedikt Reichart erfolgte ein barocker Umbau.
1856 Kauf der Familie Jakob Huter (Vorfahren des Bgm. Josef Huter von Bregenz)
1936 Erwerb durch Dr. Fritz Schindler. Aufstockung des Bergfrieds mit Zinnenkranz und Ausbau des Palas. 
1939 Zweiter Brand des Schlosses. Architekt Johann Anton Tscharner aus Bregenz. Ein Jahr später war das Schloss wieder aufgebaut.
1945 - 1953 Wohnsitz des Chefs der französischen Militärregierung, Colonel Jung.
1950 Einbau des ersten Liftes, zuvor war dieser Liftschacht ein Treppenhaus. 
1953 - 2017 Im Besitz der Familie Schindler.
2003 Das Schloss wurde unter Bundesdenkmalschutz gestellt.
2017 Erwerb durch die Marktgemeinde Wolfurt.