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Das REK Wolfurt Rickenbach wurde beschlossen

REK 05.06 verkehrserschliessung phase

Die Weichen für einen neuen Wohn- und Lebensraum sind gestellt

Im späten 19. Jahrhundert begann im Wolfurter Ortsteil Rickenbach die Industrialisierung. Auch die gewerblichen Baulichkeiten des Seilbahn-Unternehmens Doppelmayr haben Rickenbach über viele Jahrzehnte stark geprägt. Vor mehr als 15 Jahren wurde der Umzug der Firma Doppelmayr in das rund 2 km weiter westlich gelegene Betriebsgebiet eingeleitet.

Zunächst entstand dort das Werk Hohe Brücke als große Produktionsstätte, und im Juni 2017 wurde das Bürohaus Hohe Brücke eröffnet, ein modernes Verwaltungsgebäude für derzeit ca. 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In weiterer Folge soll auch das Werk Kella ins Gewerbegebiet Hohe Brücke übersiedeln.

Für Rickenbach bietet die Zusammenlegung der Bauten der Firma Doppelmayr an der Hohen Brücke neue Perspektiven und Entwicklungschancen.

Der angestrebte Wandel vom Industriestandort zu einem hochwertigen Wohn- und Lebensraum erfordert rechtzeitig eine umfassende und sorgfältige Planung unter Einbeziehung der Bevölkerung.

Der Weg zum Räumlichen Entwicklungskonzept Wolfurt Rickenbach - ein Überblick

Die Marktgemeinde Wolfurt begann bereits im Jahr 2013 gemeinsam mit der Firma Doppelmayr, für das etwa 30 Hektar große Areal im Ortsteil Rickenbach nach Lösungen zu suchen. Im Jahr darauf wurde die ARGE Raumplanung Kuess und Hörburger Architekten beauftragt, einen Planungs- und Beteiligungsprozess einzuleiten und einen Masterplan zu erstellen. Der Beteiligungsprozess wurde von Wolfgang Pfefferkorn (Büro Rosinak & Partner) moderiert.

Masterplan und REK Wolfurt Rickenbach – was bisher geschah

> Erarbeitung der Grundlagen für den Masterplan (ARGE Raumplanung Kuess und Hörburger Architekten) ab Herbst 2014
> Erste öffentliche Beteiligungsveranstaltung: Präsentation der Grundlagen und  Formulierung von Anliegen und Entwicklungsvorstellungen durch die Bürger/innen. Rund 200 Personen nehmen teil. 26.02.2015
> Zweite öffentliche Beteiligungsveranstaltung: Präsentation von Grundkonzept, Testentwürfen und Szenarien, Rückmeldungen der Bürger/innen dazu. Rund 200 Personen nehmen teil. 25.06.2015
> Ausarbeitung des Masterplans Rickenbach unter Berücksichtigung der Rückmeldungen der Bürger/innen durch die beauftragte ARGE: 2015 bis 2016
> Öffentliche Präsentation des Masterplans Rickenbach, Info-Veranstaltung. Rund 180 Personen nehmen teil. 18.01.2017
> Ausarbeitung REK Wolfurt Rickenbach durch die Marktgemeinde Wolfurt. 2017
> Öffentliche Auflage REK Wolfurt Rickenbach von 18.12.2017 bis 26.01.2018.
> Prüfung der Stellungnahmen durch Sachverständige und Gemeinde. Anpassungen und Änderungen des REK aufgrund der Rückmeldungen. Februar 2018
> Beschluss REK und Masterplan in der Gemeindevertretung Wolfurt. 14.03.2018
> Schriftliche Beantwortung der Stellungnahmen im Auflageverfahren und Information der Öffentlichkeit. März 2018
> Architekturwettbewerb für den Quartierskern Rickenbach. Sommer-Herbst 2018
> Etappenweise Erschließung und Neubebauung des Areals. Endausbau nach derzeitiger Einschätzung ca. 2040

Rickenbach: ein hochwertiger Wohn- und Lebensraum

Am Anfang des Planungsprozesses stand eine detaillierte Analyse der Ausgangssituation im rund 30 Hektar großen Planungsgebiet und in der Umgebung. Im Hinblick auf das Bevölkerungswachstum im Vorarlberger Rheintal sowie auf bisherige und geplante Betriebserweiterungen und -ansiedlungen im nahen Umfeld wird neuer Wohnraum gebraucht. In Rickenbach eröffnet sich für die Gemeinde Wolfurt die Möglichkeit, die zukünftige Entwicklung verantwortungsvoll zu gestalten:
Mit der langfristigen Freihaltung eines zusammenhängenden unbebauten Gebiets („Grünkeil“) und einer abgestuften maßvollen Verdichtung im Bauland können Alternativen zu der im Wohnbau bisher vorherrschenden zersiedelten Struktur angeboten werden.

Eine ausreichende Dichte hilft bei der Sicherung der Nahversorgung und macht die Errichtung und Erhaltung der technischen Infrastrukturen wirtschaftlich. Darüber hinaus können Wege für Radfahrer und Fußgänger geschaffen und die Hochwassersicherheit erhöht werden.

Bevölkerungsbeteiligung und Masterplan im Detail

Bei der ersten öffentlichen Beteiligungsveranstaltung im Februar 2015 wurden von den Bürger/innen Anliegen und Ideen für die Zukunft von Rickenbach eingebracht. Besonders oft genannt wurden: eine bessere Nahversorgung, ein Dorfplatz mit einem Café, eine Bebauung mit Augenmaß und hoher Wohnqualität, ein guter Mix zwischen Wohnen und Arbeiten, die Erhaltung von Grünräumen sowie von historischen Gebäuden, gute Fuß- und Rad-Verbindungen zu den umgebenden Naherholungsgebieten.

Diese Workshop-Ergebnisse dienten als Grundlage für die ersten Entwürfe der Fachplaner.

Bei der zweiten öffentlichen Beteiligungsveranstaltung im Juni 2015 stellten die Fachplaner das Konzept vor, in dem zwischen folgenden Bereichen differenziert wurde:

> Kernbereich von Rickenbach,
> Hangfußbereich mit Neubebauung (u. a. an Stelle des Doppelmayr-Werks 2, Kella),
> Zone entlang der Dornbirner Straße,
> Grünkeil als Verbindung zwischen dem Kernbereich und den in der Gemeinde Schwarzach gelegenen Freizeiteinrichtungen.

Im Konzept wurden einzelne Baufelder festgelegt, und für Teilbereiche wurden auch mögliche Lösungsvorschläge gezeigt. Die rund 200 Workshop-Teilnehmer/innen konnten die vorliegenden Planungsvorschläge bewerten und bislang fehlende oder generell wichtige Gesichtspunkte nennen. Das Gesamtkonzept wurde insgesamt begrüßt. Änderungswünsche bezogen sich in erster Linie auf die als zu dicht empfundenen geplanten Bebauungsmöglichkeiten. Auch Wünsche nach einer besseren Durchmischung von Wohnen und anderen Nutzungen sowie nach einer stärkeren Betonung der sozialen Infrastruktur wurden geäußert. Dass der Doppelmayr-Zoo nach Absiedlung der Firmennutzungen nicht weiter bestehen kann, wurde sehr bedauert. Von den Bürger/innen positiv bewertet wurden insbesondere die Erhaltung des Grünkeils, das Wegenetz und die Freiraumgestaltung: Öffnung des Rickenbaches, Anlage einer Wasserfläche für den Hochwasserschutz („Kellasee“), öffentliche Plätze und Begegnungsmöglichkeiten im Kernbereich.

Unter Berücksichtigung der Anmerkungen aus der Bevölkerung wurden in der darauf folgenden Planungsphase die bisher vorgesehenen Dichten in den Baufeldern außerhalb des Kerngebiets reduziert.

Der Masterplan wurde in einer abschließenden Informationsveranstaltung im Jänner 2017 der Öffentlichkeit präsentiert.

Das Räumliche Entwicklungskonzept REK Wolfurt Rickenbach

Das REK gemäß § 11 Vorarlberger Raumplanungsgesetz ist eine langfristige, strategisch-kommunale Handlungsanleitung zur räumlichen, funktionalen und baulichen Entwicklung des Gebiets. Das REK Wolfurt Rickenbach legt die Gesamtstruktur fest und gliedert das Planungsgebiet in Baufelder und Freiräume.

Der Masterplan wurde zuerst ausgearbeitet und ist Grundlage des REK. Im Masterplan sind alle Analysen und Grundlagen zusammengefasst. Er weist zusätzlich zu den Inhalten des REK vertiefte Informationen vor allem im Hinblick auf die baulichen Möglichkeiten (Dichte, Höhe) aus und ist auch Basis für die Flächenwidmungsplanung oder sonstige Verfahren der Verwaltung.

Die wesentlichen Inhalte des REK Wolfurt Rickenbach sind:

> Der Kernbereich soll attraktiv gestaltet werden: Der Abbruch von ungenutzten Betriebsbauten, ein Mix aus Neubau und Altbestand, die verbesserte Nahversorgung, ein Mix aus „Wohnen und Arbeiten“ und vor allem auch ansprechende öffentliche Räume sollen dazu beitragen.

> Der Rickenbach soll geöffnet werden. Entlang des offenen Baches sollen Durchwegungen mit einer Abfolge von kommunikativen Aufenthaltsbereichen entstehen – das schafft zusätzliche Qualität für die Mitte des Quartiers.

> Neuer Wohnraum soll im Hangfußbereich (derzeit Werk 2) sowie auch entlang der Dornbirner Straße geschaffen werden - sei es in Form von Geschosswohnungen oder verdichtetem Flachbau. Dichte kann auch zusätzliche Qualitäten erzeugen. Ein guter Mix aus unterschiedlichen Wohnformen (Eigentum, Miete, Baugruppen) sorgt für ein vitales Quartier.

> Der zentrale Freiraum, der derzeit landwirtschaftlich genutzt wird, soll als Grünkeil weiterentwickelt werden. Eine Aufwertung durch eine Wasserfläche ist im Zuge der anstehenden Maßnahmen zum Hochwasserschutz möglich. Bei den Geschosswohnungen werden wohnungsnahe Spiel-, Ruhe- und Gemeinschaftsflächen das Freiraumangebot zusätzlich verbessern.

> Für die Verkehrserschließung hat sich folgende Planungsvariante als schlüssig erwiesen: In der ersten Bebauungsphase wird die Verkehrsabwicklung über das bestehende Straßennetz - teilweise mit Beschränkungen für den Durchzugsverkehr (Brunnengasse, Am Rickenbach) erfolgen. In der zweiten Phase sind im Bereich Alte Lehrwerkstätte / Dornbirner Straße Anpassungen vorgesehen (Einbahnführung, Umbau des Knotens). In der dritten Phase ist der Bereich Werk 2 an die Bildsteiner Straße anzuschließen. Neue Fuß- und Radwege ergänzen das Netz, sodass der Grünkeil gut an die Wohngebiete angebunden ist und auch überörtliche Verbindungen gestärkt werden.

Diese Gesamtstruktur bietet eine Orientierung für nachfolgende Planungen. Dadurch soll aber das kreative Potenzial für die weiteren Entwicklungsschritte keinesfalls eingeschränkt werden. Kreative Lösungen können in Zukunft etwa durch Architektur-Wettbewerbe unterstützt werden.

Auflageverfahren und Reaktionen zum REK

Die Gemeinde Wolfurt hat den Entwurf des REK Wolfurt Rickenbach gemeinsam mit dem angepassten Straßen- und Wegekonzept dem Gesetz entsprechend von 18.12.2017 bis 26.01.2018 öffentlich aufgelegt.
Während der Auflagefrist gingen 64 Stellungnahmen ein, davon 13 persönlich verfasste und 51 Vordrucke der „Initiative Lebenswertes Rickenbach“. Seitens der Raumplanungsabteilung der Vorarlberger Landesregierung wurde das REK fachlich begrüßt.
Die eingegangenen Stellungnahmen wurden auf ihre fachliche Relevanz überprüft und schriftlich beantwortet. Gegebenenfalls wurden die Pläne und Texte des REK überarbeitet.
Die „Initiative Lebenswertes Rickenbach“ hat seit Februar 2017 knapp 200 Unterschriften gesammelt mit der Bitte, die Gemeinde möge den Planungsprozess überdenken bzw. stoppen.
Die Initiative zeigt sich unzufrieden mit den Mitsprachemöglichkeiten und fordert vor allem, dass die Entwicklung in Rickenbach vorerst nur auf das Kerngebiet beschränkt wird. Die vorgesehene Verdichtung wird grundsätzlich in Frage gestellt und der Erhalt der Freiflächen im aktuell bestehenden Ausmaß verlangt.
Die Konkretisierung des REK Rickenbach, der Masterplan, wurde aufgrund der Rückmeldungen im Auflageverfahren so abgeändert, dass im östlichen Teil des Gebiets die ursprünglich geplante bauliche Mindestdichte entfällt und daher auch Einfamilienhausstrukturen und dergleichen möglich sind.
Aus Sicht der Fachplaner und der Marktgemeinde Wolfurt ist aber klar, dass eine gesamthafte Planung nicht nur vorteilhaft, sondern notwendig ist, weil öffentliche Interessen, etwa hinsichtlich Freiraum, Siedlungsstruktur und Wegenetz, so am besten berücksichtigt werden können. Weiters ist fest zu halten, dass die angestrebte bauliche Dichte den Flächenverbrauch und die weitere Zersiedelung eindämmen - dadurch werden Freiräume gehalten und neue Qualitäten der Freiraumnutzung ermöglicht. Auch die Zielsetzung, den Freiflächenanteil im Gesamtgebiet im Wesentlichen zu halten, wurde im REK und im Masterplan übernommen.

Insgesamt stellen das REK und der Masterplan aus Sicht der Sachverständigen und Gemeindeverantwortlichen eine maßvolle, verträgliche und verantwortungsvolle zukünftige Entwicklung für Rickenbach sicher.

Wie geht es nun in Rickenbach weiter?

Das REK Wolfurt Rickenbach bildet die Grundlage für die schrittweise Umsetzung der nun anlaufenden Planungen. Der Zeitplan hängt unmittelbar mit den Übersiedlungsplänen der Firma Doppelmayr zusammen. Erforderlich sind nach und nach auch die entsprechenden Änderungen des Flächenwidmungsplans. Dabei können die formulierten öffentlichen Interessen über die Vertragsraumordnung gut berücksichtigt und abgesichert werden. Auch im Flächenwidmungsverfahren wird die Öffentlichkeit eingebunden.

Eine hohe bauliche Qualität soll mit Architektur-Wettbewerben oder ähnlichen Verfahren erreicht werden. Das gilt auch für den öffentlichen Raum: Bereits in den nächsten Monaten wird für die Baulichkeiten und den Platz im Quartierskern mit Hilfe eines Architektur-Wettbewerbs nach ansprechenden Lösungen gesucht. Die Ergebnisse dieses Architektur-Wettbewerbs sollen im Spätherbst 2018 vorgestellt werden.
Bereits in naher Zukunft soll mit ersten Revitalisierungs- und Abbrucharbeiten begonnen werden.