Marktgemeinde Wolfurt Menü

Auszeichnung für Initiative "Netzwerk mehr Sprache"

Verleihung IAA Netzwerk mehr Sprache

Die von „okay. zusammen leben“ in Kooperation mit den Gemeinden Frastanz, Hard, Rankweil und Wolfurt durchgeführte Initiative „Netzwerk mehr Sprache“ zur Förderung eines chancengerechten Zugangs zu Bildung ist am 3. September 2014 in Wien mit dem Sonderpreis in der Kategorie Integration des „Intercultural Achievement Awards“ des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres ausgezeichnet worden.

Mit dem in Zusammenarbeit mit den Österreichischen Kulturforen erstmalig initiierten „Intercultural Achievement Award“ werden Non-Profit Organisationen sowie impulsgebende Projekte aus aller Welt, die den interkulturellen Dialog fördern, ausgezeichnet. Zusätzlich wird ein Sonderpreis für Integration an ein innovatives Projekt aus Österreich vergeben. Die unabhängige Expertenjury hob in ihrem Bericht insbesondere den innovativen und umfassenden Ansatz bei der Einbeziehung aller für die Sprachbildung relevanter Akteure in den vier „Netzwerk mehr Sprache“ Gemeinden hervor.

Weitere Informationen zum Intercultural Achievement Award finden Sie unter :
http://www.bmeia.gv.at/europa-aussenpolitik/auslandskultur/dialog-der-kulturen-und-religionen/eigenprojekte/iaa

Netzwerk mehr Sprache – ein Modell zur Förderung eines chancengerechten Zugangs zu Bildung auf kommunaler Ebene

Kinder verfügen abhängig von ihrer sozialen Herkunft über unterschiedliche Ressourcen und Möglichkeiten, die sich auch auf ihren Bildungserfolg auswirken. Faktoren, wie z.B. der Bildungshintergrund der Eltern oder die Zugehörigkeit zu einer mit einem geringeren Status verbundenen sozialen Gruppe, wirken als versteckte Einflussgrößen auf den Bildungserfolg. Werden die damit verbundenen unterschiedlichen Ausgangsbedingungen nicht ausgeglichen, wirken sie sich verstärkend auf die Bildungsungleichheit aus.

Moderne, offene und wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaften profitieren von gut ausgebildeten Menschen. Im Kontext des wirtschaftlichen und demographischen Wandels ist die Förderung von Chancengerechtigkeit auf kommunaler Ebene eine zentrale Bedingung für die nachhaltige Entwicklung in unserer Region. Das Ziel zu einer chancengerechten Gemeinde zu werden, in der alle Kinder unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft ihre Potentiale entwickeln können, stärkt den sozialen Zusammenhalt und die Attraktivität als Wohn- und Lebensraum ebenso wie die langfristige wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde als attraktiver Standort für Geschäfte und Betriebe.

Der Aufbau von Netzwerken auf kommunaler und regionaler Ebene zur Förderung eines chancengerechten Zugangs zu Bildung ist in Deutschland und der Schweiz eine seit mehreren Jahren verfolgte Strategie. Aktiv in der Entwicklung und Umsetzung sind renommierte Bildungsakteure wie die Bertelsmannstiftung, die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung oder die Jacobsfoundation. Zentral für alle Ansätze ist eine aufeinander abgestimmte und kooperative Vorgehensweise aller für die Bildungsförderung von Kindern und Jugendlichen wichtigen und zuständigen Akteure innerhalb wie außerhalb des Bildungssystems. Das Ziel – durch diese Vorgehensweise eine deutliche Wirkungsverstärkung der Bildungsförderung aller Kinder, unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft, zu erreichen.

"okay. zusammen leben", die Projektstelle für Zuwanderung und Integration, verfolgt seit 2011 gemeinsam mit den Gemeinden Frastanz, Hard, Rankweil und Wolfurt aufbauend auf den Erfahrungen in Nenzing diesen Ansatz. Das Vorarlberger „Netzwerk mehr Sprache“ konzentriert sich inhaltlich auf den Bereich der frühen Sprachbildung, da die Grundlage für einen chancengerechten Zugang zu Bildung die Sprache ist und die ersten Lebensjahre ein wichtiges „Fenster“ für die Sprachentwicklung von Kindern darstellen. Die Grundidee dieses Netzwerkes: Eine gute und durchgängig abgestimmte Zusammenarbeit der an der Sprachentwicklung von Kindern vor Ort beteiligten Institutionen (Elternbildung, Familienservice, Migrantenvereine, Kinderbetreuung, Spielgruppen, Kindergärten, Volksschulen, Mittelschulen, Bibliotheken ...) kann die Qualität für alle Kinder, unabhängig von ihrer Erstsprache, entscheidend erhöhen und zu einer stärkeren Wirkung der einzelnen Maßnahmen beitragen. Die sprachlichen Kompetenzen von Kindern unabhängig von sozialer Herkunft als Basis für Bildung zu stärken, ist eine konkrete Möglichkeit für Kommunen, Chancengerechtigkeit zu fördern. Kommunen sind Akteure mit einer hohen Gestaltungsmöglichkeit für dieses Anliegen.

Symposium am 12. November von 14:00 bis 20:00 Uhr im Löwensaal in Hohenems

Am 12. November werden bei einem Symposium von 14.00 bis 20.00 Uhr im Löwensaal in Hohenems die Ergebnisse der Prozesse in Frastanz, Hard, Rankweil und Wolfurt an die interessierte Öffentlichkeit vermittelt und damit auch der strategische Ansatz der Bildungsnetzwerke für die Verbesserung der Wirkung von Bildungsmaßnahmen in Vorarlberg vorgestellt. Für die Erweiterung und Vertiefung der Diskussion sind Projekte aus der Schweiz (Jacobs Foundation) und Deutschland (Deutsche Kinder und Jugendstiftung), die als Referenzprojekte dienen können, eingeladen. Anmeldungen sind unter: office@okay-line.at bzw. +43 5572-398102 möglich.

Netzwerk mehr Sprache – eine Initiative für lernende Gemeinden

Das Netzwerk mehr Sprache ist als Gemeindeentwicklungsprozess konzipiert. Durch die Koordination und Steuerung der Aktivitäten entwickelt sich in diesem Prozess die Gemeinde im Austausch mit den Akteuren und Experten zu einer lernenden Gemeinde.

okay. zusammen leben bietet dafür die fachliche Prozessbegleitung. Entlang von inhaltlichen Leitlinien, die auf den aktuellen Erkenntnissen der Forschung im Bereich Sprachentwicklung aufbauen, werden in einem drei Phasen umfassenden Prozess (Eingangs-, Entwicklungs-, Umsetzungsphase), der ca. eineinhalb Jahre dauert, die Grundlagen für das Netzwerk erarbeitet. Dieses Phasenmodell ermöglicht den Gemeinden in die Aufgabe hineinzuwachsen und Schritt für Schritt die Verantwortung für das Netzwerk zu übernehmen. Zur Unterstützung werden von okay. zusammen leben neben der Prozessbegleitung Ressourcen aus dem Programm mehr Sprache (BrückenbauerInnen, Elternbildungsangebote, Kompetenztrainings für PädagogInnen, Coachings durch FachexpertInnen etc.) eingebracht.

Netzwerk mehr Sprache – lernende Akteure bilden eine Verantwortungsgemeinschaft

Im von okay. zusammen leben fachlich begleiteten Prozess zum Aufbau des Netzwerks lernen die Akteure in unterschiedlichen Arbeitsgruppen ihre Ziele, Standards und Methoden kennen. Dabei steht die Abstimmung der Aktivitäten, Ziele und Methoden im Vordergrund.  Entlang des gemeinsamen Zieles entsteht eine voneinander profitierende und sich ergänzende Verantwortungsgemeinschaft, die allen interessierten Personen und Akteuren in der Gemeinde eine Möglichkeit zum Mitwirken bietet. Egal ob Sie interessierte/r Gemeindepolitiker/in, Gemeindeangestellte/r, Vereinsvertreter/in, Pädagoge/in oder Privatperson sind, das Netzwerk bietet viele Gelegenheiten sich für das gemeinsame Ziel der Förderung von Chancengerechtigkeit zu engagieren.

Netzwerk mehr Spache – beobachtete Wirkungen:

  • Die „Frühe Förderung“ wird vom Spezial- zum Breitenthema und damit in neue Bereiche und Personenkreise ausgeweitet – es bildet sich eine Verantwortungsgemeinschaft.
  • Die Kooperationsbereitschaft wird gefördert: Entwicklung gemeinsamer Perspektiven, Ziele, Standards und Methoden.
  • Pioniere können neue Modelle/Innovationen umsetzen und ihre Arbeit im Netzwerk selbstbewusst präsentieren – sie werden dadurch zum Motor einer lernenden Gemeinde.
  • Im Netzwerk entsteht eine tragfähige und nachhaltige Unterstützung der AkteurInnen vor Ort: Die Rahmenbedingungen und Ressourcen werden den Bedarfen angepasst – effizienter Einsatz.
  • Es werden Zuständigkeitsstrukturen geschaffen und geklärt, welche die Umsetzung vorantreiben und verantworten.
  • Der Blickwinkel auf Sprachförderung verändert sich: Sprachförderung ist für alle Kinder situationsbezogen in den Alltag integriert und kein Sonderkontingent mehr.
  • Die große Vernetzung einmal pro Jahr macht die Vielfalt der Akteure und Aktivitäten in der Kommune sichtbar und zugänglich.
    Es wird gemeinsam agiert anstatt reagiert.

    Weitere Informationen zum Programm sowie eine ausführliche Dokumentation der ersten drei Programmjahre finden Sie unter: http://www.okay-line.at/deutsch/aktuelles/netzwerk-mehr-sprache/

Pressetext IAA Netzwerk mehr Sprache: